Die Steilmann-Pleite: Trotzdem noch Hoffnung für Anleihegläubiger?

Die letzte Nachricht in Sachen Steilmann-Pleite ist bereits zwei Wochen alt: Ein nach eigenen Angaben hoch investierter institutioneller Investor hatte ein freiwilliges öffentliches Kaufangebot für die drei Anleihen der Steilmann SE abgeben. Pro Anleihe bietet er 4 Prozent flat, d.h. ohne die bisher aufgelaufenen Stückzinsen. Für Anleihegläubiger stellt sich nun die Frage, ob sie das Angebot annehmen oder den Fortgang des Insolvenzverfahrens abwarten in der Hoffnung, die Insolvenzquote könnte über diesem Angebot liegen.

Pauschal lässt sich das sicher nicht beantworten, sind doch eine Vielzahl von Aspekten abzuwägen. Und nicht zuletzt auch zu vergleichen, wie der tagesaktuelle Börsenkurs aussieht. Zudem unterscheiden sich die drei Anleihen zum Teil erheblich voneinander. Dies resultiert letztlich auch in der Einschätzung einer Handlungsempfehlung.

Hoffnung Adler: Die Besicherung der Steilmann-Anleihen

Die drei Anleihen der Steilmann-Gruppe (6,75 %-Anleihe 2012/2017, WKN: A1PGWZ/ISIN: DE000A1PGWZ2; 7,00 %-Anleihe 2014/2018, WKN: A12UAE/ISIN: DE000A12UAE0; 7,00 %-Anleihe 2015/2017, WKN: A14J4G/ISIN: DE000A14J4G3) sind sehr unterschiedlich besichert.

Während die erste, 2012 begebene Anleihe vollständig unbesichert ist, sind die beiden später emittierten Anleihen mittelbar mit Anteilen der nicht insolventen Adler Modemärkte AG besichert, allerdings in unterschiedlichem Umfang. Die zweite Anleihe ist mit 87,5 Prozent, die dritte Anleihe mit nur noch 12,5 Prozent der Gesellschaftsanteile an der ebenfalls insolventen STB Fashion Holding GmbH besichert, einer hundertprozentigen Tochter der Steilmann SE.

Was auf den ersten Blick wie ein veritabler Hoffnungsschimmer wirkt, entpuppt sich beim näheren Hinsehen als massives Problem. Dies hängt mit der komplexen Struktur der Steilmann-Gruppe selbst und den Eigentumsverhältnissen ihrer Adler-Beteiligung zusammen. Denn weder die Steilmann SE noch das ebenfalls insolvente Konzerndach Steilmann Holding sind direkt an Adler beteiligt.

Vielmehr befinden sich die Adler-Aktien im Besitz der S&E Kapital GmbH. Diese wiederum gehört nur zu 56 Prozent der STB Fashion Holding GmbH. Die verbleibenden 44 Prozent gehören der Gesellschaft Excalibur des Finanzinvestors Equinox.

War Steilmann-Pleite absehbar?

Prekär ist nun, dass erst im vergangenen Oktober, und damit fast zeitgleich mit dem Börsengang der Steilmann SE im November, der Vertrag zwischen der STB Fashion Holding und Excalibur zum klaren Nachteil der STB Fashion Holding (und der Anleihegläubiger) geändert wurde. Beim Börsengang konnte mit nur knapp 9 Millionen sehr viel weniger an Aktiengeldern eingesammelt werden als erhofft. Durch die Vertragsänderung erhielt Excalibur im Insolvenzfall das fünffache (!) Stimmrecht, was rechnerisch fast 80 Prozent der Stimmen und damit einer absoluten Mehrheit entspricht. Dies erlaubt es Excalibur zum Beispiel, die Verwertung der Adler-Aktien durch S&E zu blockieren. Obendrauf wurde der Gesellschaft das Recht eingeräumt, die S&E-Anteile der Steilmann-Gruppe einzuziehen.

Höchst problematisch ist außerdem die vertragliche Regelung, dass Excalibur Ansprüche gegenüber dem Gewinn der S&E Kapital hat und sein gesamtes Investment vorrangig vor allen übrigen Gläubigern zurückerhalten soll.

Ob diese Regelungen überhaupt Bestand haben werden, ist fraglich.

Nicht erst nach der Strafanzeige zweier Lieferanten wegen Insolvenzverschleppung gegen den Steilmann-Konzern mutmaßen Anleihegläubiger, ob bereits zum Zeitpunkt des Börsengangs eigentlich Zahlungsunfähigkeit vorgelegen habe. Die fast absurd komplexe rechtliche Struktur wäre dann mit der Absicht konstruiert worden, die Insolvenz vorzubereiten. Insbesondere die Rolle der emissionsbegleitenden Banken (Oddo Seydler Bank und Banca IMI) und Wirtschaftsprüfer (KPMG) wird mehr als kritisch hinterfragt: Wurde hier den Aktionären und Anleihegläubigern ein bereits totes Pferd angedreht?

Und das Pfandrecht?

Trotz dieses extrem komplizierten Geflechts aus unterschiedlichen Firmen, Rechtsformen und Verwertungsansprüchen der Steilmann SE stellt das Pfandrecht an der STB Fashion Holding GmbH für die Anleihegläubiger der beiden älteren Anleihen einen strategischen Vorteil dar. Die Anleihegläubiger der ersten Anleihe können ihre Forderungen aber sowohl im Insolvenzverfahren der STB Fashion Holding wie auch im Insolvenzverfahren der Steilmann SE anmelden. Die Steilmann SE ist Rechtsnachfolgerin der Emittentin der Anleihe. Die STB Fashion Holding wurde aus der Emittentin der Anleihe abgespalten, so dass ein Anspruch auf Rückzahlung gegen diese aus dem Umwandlungsgesetz besteht.

Zwar hat sich der Insolvenzverwalter bisher nicht zur vorhandenen Insolvenzmasse der Steilmann SE geäußert, jedoch ist mit Blick auf die nach wie vor existierenden erstrangigen Schulden bei Banken nicht davon auszugehen, dass die Anleihegläubiger aus der Zerschlagung der Steilmann-Gruppe eine nennenswerte Quote erhalten werden. Die Möglichkeit, Ansprüche in zwei getrennten Insolvenzverfahren anmelden zu können, sollte also durchaus als Vorteil betrachtet werden.

Bisher hatte der Insolvenzverwalter lediglich am 28. Juni angekündigt, dass der überwiegende Teil der Steilmann-Gesellschaften voraussichtlich bis Ende August fortgeführt werden könne. So sind unter anderem die Unternehmen Apanage GmbH & Co. KG, DC Design & Concept GmbH, Kirsten Mode Design GmbH & Co. KG sowie die Klaus Steilmann GmbH & Co KG von der Liquidation bedroht. Während die DressMaster GmbH am 4. Juli an die Solvesta AG verkauft werden konnte, wurden zwischenzeitlich die Markenrechte der Apanage GmbH & Co. KG und der Kirsten Mode Design GmbH & Co. KG von der FS Fashion & Style GmbH übernommen.

Anleihegläubigerversammlung am 3. August 2016

Am Mittwoch, den 3. August 2016 findet in der Dortmunder Westfalenhalle die erste Anleihegläubigerversammlungen im Insolvenzverfahren statt. Aller Voraussicht nach wird sich der Insolvenzverwalter trotzdem erst am 7. September, dem offiziellen Berichtstermin, zu den Einzelheiten des Insolvenzverfahrens und der zu verteilenden Insolvenzmasse äußern.

Die Anleihegläubiger sollten zunächst abwarten, ob auf der Gläubigerversammlung am 3. August 2016 ein gemeinsamer Vertreter gewählt wird. Sollte ein gemeinsamer Vertreter gewählt werden, meldet dieser für alle Anleihegläubiger die Insolvenzforderungen an. Sollte kein gemeinsamer Vertreter gewählt werden, muss die Forderung bis zum 23. August 2016 selbst oder durch einen Vertreter zur Insolvenztabelle angemeldet werden.

Die Kanzlei Schirp Neusel & Partner ist Ihnen gern bei der Vertretung im Insolvenzverfahren behilflich und wird Sie auch, sofern gewünscht, auf der Gläubigerversammlung vertreten und Ihr Stimmrecht für Sie wahrnehmen. Bitte beachten Sie, dass gemäß den Anleihebedingungen die Anmeldung und der Nachweis der Anleiheinhaberschaft bis zum 31. Juli 2016 erfolgen muss. Bitte wenden Sie sich bei Fragen an

Rechtsanwältin Anne Wenzelewski
Schirp Neusel & Partner Rechtsanwälte mbB
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