Gläubigerversammlung der Anleihegläubiger im Insolvenzverfahren der JOPP AG – Wählen Sie Ihren gemeinsamen Vertreter!

Am 1. September wurde das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Berliner JOPP AG eröffnet (Az.: 36j IN 3697/16). Gläubiger können ihre Forderungen bis zum 1. Dezember 2016 anmelden.

Das von den Brüdern Dr. Jürgen und Ralf Jopp geführte Fitness-Unternehmen JOPP AG betreibt Studios der Marke Hard Candy und emittierte Ende 2013/Anfang 2014 eine Unternehmensanleihe (WKN: A1X26W, ISDN: DE A1X26W) zur Finanzierung der Expansion der Hard-Candy-Fitnessstudios in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Anleihegläubiger sollten mit der Anmeldung aber noch warten. Unter Umständen wird ein gemeinsamer Vertreter diese Aufgabe übernehmen. Eine eigene Anmeldung wäre damit nicht mehr möglich und nötig. Der gemeinsame Vertreter der Anleihegläubiger würde auch den Berichtstermin für die Anleihegläubiger wahrnehmen, der für den 27. Oktober 2016 anberaumt wurde.

Das Amtsgericht lud zeitgleich zur Versammlung der Anleihegläubiger nach dem Schuldverschreibungsgesetz (SchVG) ein. Anleihegläubiger erhalten hierdurch die Möglichkeit, einen gemeinsamen Vertreter zur gebündelten Wahrnehmung ihrer Rechte im Insolvenzverfahren zu wählen.

Die Gläubigerversammlung der Anleihegläubiger der Schuldverschreibungen 2013/2018 der JOPP AG, Berlin wird

am Montag, den 10. Oktober 2016,

um 12:00 Uhr

im Sitzungssaal 218, 2. Stock des Amtsgerichts Charlottenburg,

Amtsgerichtsplatz 1, 14057 Berlin

stattfinden.

Vertreter der Kanzlei Schirp Neusel & Partner werden an der Versammlung teilnehmen und für das Amt des gemeinsamen Vertreters kandidieren. Gerne nehmen wir auch für Sie Ihr Stimmrecht wahr, sofern Sie uns hierfür mandatieren möchten. Vollmacht zur Vertretung auf der Anleihegläubigerversammlung der JOPP AG

Die Jopp-Anleihe

Die Jopp-Anleihe mit einem Maximalvolumen von 5 Millionen Euro und einem jährlichen Zinskupon von 8 Prozent sollte eigentlich bis 2018 laufen. Im Rahmen der initialen Emittierung (9. Dezember 2013 bis 28. Februar 2014) wurden zunächst nur Schuldverschreibungen im Gesamtnennbetrag von 489.000 Euro gezeichnet. Durch die Verlängerung der Angebotsfrist sollten bis zum 30. April dann weitere Anleihen im Gesamtnennbetrag von bis zu 4,51 Mio. Euro emittiert werden.

Die Entwicklung der Hard Candy Fitness

Das erste Studio der Fitnesskette Hard Candy Fitness (HCF) wurde Ende September 2013 unter großem Medieninteresse in Berlin eröffnet. Anfang März 2014 folgte dann die Eröffnung eines weiteren Clubs der Untermarke Hard Candy Fitness Women, die sich zusammen mit vier der umbenannten, vorherigen „Women’s Gym Jopp & Jopp“-Clubs als „Superwomen-Clubs“ an Frauen richtete.

Insgesamt betreibt die JOPP AG zehn deutsche Hard-Candy-Filialen, die in vier Unternehmergesellschaften unterhalb der AG organisiert sind. Die insgesamt sechs Superwomen-Clubs wurden in der Jopp-Sports-1 UG zusammengefasst, die anderen Filialen in Berlin und Fürth in drei weiteren Unternehmergesellschaft. Ein elftes Studio war in Köln geplant.

Teure Lizenzgebühren der Prestige-Marke Hard Candy

Das HCF-Konzept, an deren Marke HCF sich die JOPP AG die Lizenzrechte für Deutschland, Österreich und die Schweiz gesichert hatte, wurde von der Pop-Ikone Madonna und dem kalifornischen Finanzinvestor New Evolution Ventures (NEV) entwickelt. Im Rahmen eines Franchise-Systems sollten Lizenznehmer in Metropolen weltweit Studios eröffnen und dafür Gebühren an NEV zahlen. Sowohl „Hard Candy Fitness“, als auch das Motto der Kette „Harder is better“ sind markenrechtlich geschützt. Nur leider erfüllten sich diese Pläne nicht. Hard Candy Fitness konnte sich nicht zur weltweiten Marke mit hunderten Studios entwickeln. Mehr noch: Das einzige Studio in Nordamerika, im kanadischen Toronto, musste ebenfalls wieder schließen.

Die hohen Lizenzgebühren des Hard-Candy-Brandings und die Verbindung zur prominenten Namensgeberin könnten auch, in Verbindung mit zu schneller Expansion, ursächlich für die finanzielle Misere der Kette sein. Dies zumindest deutete der Insolvenzverwalter Prof. Dr. Torsten Martini an. So wurden neue Filialen frühzeitig beworben. Aber aufgrund von Bauverzögerungen bei Vertragspartnern (etwa bei der Filiale im Einkaufszentrum Mall of Berlin) mussten schon Leasingraten für Sportgeräte beglichen werden, ohne dass diese hätten genutzt werden können.

Noch im August des letzten Jahres wollte Jopp bis zu 60 weitere Clubs unter der Marke Hard Candy Fitness eröffnen. Hierfür wurden insgesamt 15 Millionen Euro benötigt. Es sollte Kapital eines nie namentlich genannten Investors verwendet werden. Dieser sollte das alleinige Recht erhalten, zusätzliche neu emittierte Aktien zu zeichnen. Zu einer Erhöhung des Grundkapitals, wie es die außerordentliche Hauptversammlung im August 2015 beschlossen hatte, kam es laut Handelsregister jedoch nie.

Finanzielle Schwierigkeiten von Anfang an

Leider kommt die Insolvenz nicht aus dem sprichwörtlichen Nichts. Bereits im Prospekt der Anleihe wurde für 2014 ein einstelliger Millionenverlust und ein „negatives Eigenkapital“ vorhergesagt. Mit anderen Worten: eine bilanzielle Überschuldung.

Trotzdem versichert der Anleiheprospekt den Gläubigern, dass dank „stiller Reserven und einer positiven Fortführungsprognose“ kein Insolvenzantrag zu befürchten sei. Allerdings wird gewarnt, dass durchaus mit dem Risiko der „Insolvenz der Emittentin und einem Totalverlust des investierten Kapitals der Anleihegläubiger“ zu rechnen sei, falls die bestehenden oder neuen Clubs nicht wie vorgesehen positive Ergebnisse erwirtschaften könnten.

Die letzte Bilanz des Fitness-Unternehmens ist aus dem Jahr 2013. Und auch diese weist, wie schon in den Vorjahren, einen Jahresfehlbetrag aus. Im Jahr 2012 erwirtschaftete die JOPP AG ein negatives EBIT von -2,24 Millionen Euro bei einem Umsatz von 5,68 Millionen Euro. Damit summierte sich der Bilanzverlust Ende 2013 auf knapp 6,7 Millionen Euro.

Der Weg in die Insolvenz

Bereits vor den Insolvenzanträgen zeichneten sich massive wirtschaftliche Schwierigkeiten der Fitness-Kette ab: Trainer wurden nicht mehr bezahlt, Kurse mussten entfallen bis schließlich im Juni der Stromanbieter Vattenvall auch noch wegen ausstehender Zahlungen in sechsstelliger Höhe mehreren Studios den Strom abstellte. Die meisten Hard-Candy-Clubs sind seitdem geschlossen.

Kurz nach der Schließung der Studios hatten im Juni sechs Gläubigern Insolvenzanträge beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg gestellt. Laut Insolvenzverwalter konnten diese sogar noch ausgezahlt werden, die drohende Zahlungsfähigkeit schien zunächst abgewendet. Dafür wurden kurzfristig Unternehmensteile (die Super-Women-Filialen) veräußert. Doch kurz darauf beantragten die Jopp-Brüder, vermutlich aufgrund neuer Geldforderungen, die Eigeninsolvenz sowohl für den Konzern als auch für die Studios, die in separaten Untergesellschaften organisiert sind.

Wie geht es mit der JOPP AG weiter?

Laut Insolvenzverwalter wird es entweder einen Sanierungsplan geben oder es droht mit dem Verkauf einzelner Filialen an Mitbewerber die Zerschlagung der Fitnessmarke. Eine Wiedereröffnung der anderen Studios kommt laut Martini nur in Betracht, wenn die jeweilige Filiale kostendeckend weitergeführt werden könne. Das sei zu prüfen.

Und nicht nur der Insolvenzverwalter sieht die Verbindung zur Sängerin kritisch, wenn auch aufgrund der hohen Lizenzkosten. Auch der Anleiheprospekt führt sie als mögliches Risiko des Investments auf: „Es besteht die Gefahr, dass Negativschlagzeilen der Pop-Künstlerin Einfluss auf das Geschäftsmodell der Gesellschaft haben.“ Wer sich hier aber um wessen Ruf wegen Negativschlagzeilen machen muss, sei dahingestellt.

Welche Möglichkeiten bleiben den Anleihegläubigern?

Nehmen Sie aktiv an der Gläubigerversammlung am 10. Oktober in Berlin teil und machen sie von ihrem Stimmrecht Gebrauch, einen gemeinsamen Vertreter zu wählen, der im weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens Ihre Interessen vertritt. Lassen Sie sich alternativ vertreten – auf der Gläubigerversammlung bietet Ihnen die Kanzlei Schirp Neusel & Partner die kostenlose Vertretung an und wird Ihnen auch Bericht erstatten.

Mit dem Erwerb der Anleihe wurde einer Vielzahl der Investoren eine kostenlose fünfjährige Mitgliedschaft bei Hard Candy Fitness, quasi als Bonus, hinzugegeben. Sollten Sie über eine solche verfügen ist zu erwägen, ob Sie nicht auch Forderungen aus diesem Vertragsverhältnis zur Tabelle anmelden sollten. Dies könnte die Insolvenzquote erhöhen. Auch hierzu beraten wir Sie gern.

Rechtsanwältin Dr. Susanne Schmidt-Morsbach
Schirp Neusel & Partner Rechtsanwälte mbB
Leipziger Platz 9
10117 Berlin
Tel: 030-327 617 0
Fax: 030-327 617 17
schmidt-morsbach@ssma.de