Informationsveranstaltung der Euro-Grundinvest-Genussrechte am 21. Juli 2016: Für Anleger sieht es düster aus

Auf der Informationsveranstaltung am 21. Juli 2016 in Freising bei München erfuhren Genussrechtsgläubiger der Euro Grundinvest AG erstmals, wie es um ihr Investment bestellt ist. Leider konnten keine optimistischen Nachrichten vermeldet werden.

So mussten die ca. 150 anwesenden Anleger und Anlegervertreter auf der Informationsveranstaltung (und auf den Gesellschafterversammlungen der geschlossenen Immobilienfonds am Nachmittag) erfahren, dass Vorbesitzer Malte André Hartwieg ein immenses Veruntreuungs-Karussell gedreht hat. Die Geschäftsführung stellt den Anlegern zwar bis zum 31. Dezember 2017 eine Sockelzahlung von 10 Prozent in Aussicht und sieht sogar Besserungspotential bis maximal 30 Prozent. Trotzdem sind große Teile des Anlegergeldes verloren.

Neben zahlreichen Fonds mit einem Gesamtvolumen von rund 70 Millionen Euro hatte die Euro Grundinvest Gruppe über die Euro Grundinvest AG unverbriefte Namensgenussrechte emittiert:

  • Euro Grundinvest AG Genussrechte I (2012) über 3,337 Millionen Euro (Kupon 6,00 % p.a.)
  • Euro Grundinvest AG Genussrechte II (2013/16) über 19,982 Millionen Euro (aufgeteilt in „Typ A“ mit laufender Auszahlung und „Typ B“ mit endfälliger Verzinsung, Kupon 8,00 % p.a.; beide wurden mit einer Ankaufgarantie durch die Euro Grundinvest Real Estate GmbH & Co. KG und einer zusätzlichen jährlichen Gewinnbeteiligung von bis zu 4 % beworben)
  • IPF Austria GmbH Genussrechte über 2,773 Millionen Euro (Kupon 8 % p.a.)

Laut der Verkaufsprospekte sollte das Genussrechtskapital für die Finanzierung von Projekten mit mittelbarem oder unmittelbarem Immobilienbezug verwendet werden. Hierfür wurden anderen Firmen der Unternehmensgruppe Darlehen gewährt.

Insgesamt erreicht somit das Gesamteigenkapital, das die EGI-Gruppe zwischen 2010 und 2014 einwerben konnte, nahezu 100 Millionen Euro.

Ist der größte Teil des angelegten Kapitals verloren?

Fest steht bereits, dass die Immobilien der EGI-Fonds viel weniger wert sind, als in sie investiert wurde. Bereits in der Einladung zu den Versammlungen war die Rede davon, dass sich die wirtschaftlichen Ergebnisse nach Stand der Aufarbeitung der chaotischen Bilanzen des Vorbesitzers noch nicht einmal in der Nähe dessen bewegen, was den Anlegern ursprünglich versprochen wurde. Dadurch, dass zwischen den Fonds permanent Vermögen hin- und hergeschoben wurde, ist zum Teil noch ungeklärt, welche Immobilie zu welchem Fonds gehört.

Auch hinsichtlich des seit 2014 zuständigen Geschäftsführers und prominenten Start-up-Investors Sven Donhuysen haben viele Anleger kein gutes Gefühl. Daher sind die von Donhuysen gewünschten Beschlüsse, ihn selbst zum Liquidator in Eigenregie zu bestellen und zudem Unternehmen seiner Gruppe in die Fonds neu mitaufzunehmen, nach bisheriger Kenntnis auch nicht gefasst worden. Die Auszählung der Abstimmungen der Gesellschafterversammlungen war am Donnerstagabend noch nicht vorgenommen worden, jedoch haben alle maßgeblichen Vollmachtsinhaber dagegen gestimmt.

Alleinverantwortlicher: Malte Hartwieg?

Donhuysen eröffnete die Veranstaltung mit der Verlesung eines umfangreichen Vortrages zu den bisherigen Geschehnissen im Hause Euro Grundinvest:

Die alleinige Schuld am Desaster der EGI-Gruppe trage der Initiator und Hintermann Hartwieg. Dieser habe alle Beteiligten, darunter auch Donhuysen selbst, über Jahre hinweg getäuscht und durch das von ihm geschaffene Schneeballsystem und Firmengeflecht großen Schaden angerichtet. Als Geschäftsführer sei Donhuysen nunmehr um bestmögliche Eindämmung des Schadens bemüht. Hierfür habe er die Sanierungsspezialisten der Knoll Restructuring Group eingeschaltet. Um sicherzustellen, dass die EGI unter seiner Leitung weiter wirtschaften könne (insbesondere vor dem Hintergrund der gegen die Gründungsgesellschaft laufenden Klagen, die diese existenziell gefährden würden), plant er, die Gruppe selbst zu verwerten.

Ohne jegliche unabhängige Kontrolle besteht allerdings die Gefahr, dass Donhuysen weiter versuchen wird, seine eigenen Interessen auf dem Rücken der Anleger durchzusetzen. Tatsächlichen bedarf es aber einer intensiven Aufarbeitung auch der Transaktionen, die seit der Übernahme durch Donhuysen im Sommer 2014 stattgefunden haben.

Der wesentliche inhaltliche Teil der Informationsveranstaltung wurde dann von genannten Sanierungsspezialisten, Prof. Dr. Heinz-Christian Knoll und einem weiteren Mitarbeiter der Knoll Restructuring Group, bestritten. In einer über 60 Seiten starken Slideshow wurde den Anlegern vor Augen geführt, wie die Gelder zwischen den Fonds hin- und hergeschoben wurden.

Das „System Hartwieg“: Bestandsaufnahme der Euro-Grundinvest-Gruppe

Hartwieg war die zentrale Figur der Gruppe, Fonds und Genussrechte wurden über seine Plattform dima24 vertrieben. Zudem war er ihr Gründer und steuerte alleinig ihre Geschicke. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft München gegen ihn wegen Betrugs- und Untreueverdachts. Der in Prospekten und Vertriebsmaterialien der Genussrechte und Fonds auftauchende Geschäftsführer und Vorstand der Euro Grundinvest AG, Erwin Beran, war in Wahrheit der Chauffeur Hartwiegs. Von einer langjährigen Qualifikation und Erfahrung der Akteure, wie behautet wurde, kann also keine Rede sein. Weiterlesen: Mehr zum „System Hartwieg“ und den Sanierungsplänen