Informationsveranstaltung der Euro-Grundinvest-Genussrechte am 21. Juli 2016: Für Anleger sieht es düster aus

Kennzeichnend für das „System Hartwieg“ sind umfangreiche Querfinanzierungen und Darlehensausreichungen zwischen den Objektgesellschaften der einzelnen Fonds. Es entstand ein regelrechtes Untreue-Karussell. Da die Buchhaltung völlig unzulänglich ist und Jahresabschlüsse zuletzt für das Jahre 2013 erstellt wurden, ist die Aufklärung sehr schwierig. Und nach Darstellung des jetzigen Restrukturierungsberaters kooperieren die vormals tätigen Buchhalter/Steuerberater der WLP GmbH nur unzureichend.

Der Geldfluss der oberen Ebene, also aus den hier betrachteten Genussrechten in die erste Objektgesellschaft (OG), lässt sich vereinfacht so abbilden:
  • EGI-Genussrechte AG I: Von 3,337 Millionen Euro Eigenkapital wurde eine unbekannte Summe in die Zielgesellschaften OG 224-226 investiert.
  • EGI-Genussrechte AG II: Von 19,982 Millionen Euro Eigenkapital wurden 15 Millionen Euro in die Zielgesellschaften OG 227 und „New Media Corporation“ investiert.
  • IPF Austria Genussrechte: Von 2,773 Millionen Euro Eigenkapital wurde eine unbekannte Summe in eine ebenfalls unbekannte Zielgesellschaft investiert.

Das eigentliche Untreue-Karussell drehte sich jedoch auf der unteren Ebene zwischen den Objektgesellschaften. Diese gaben sich wechselseitig unzählige Darlehen, immer gerade so, wie Hartwieg das Geld zu brauchen meinte.

Der unrühmlichste Fall ist die „New Media Corporation“, versorgt mit ca. 15 Millionen Euro aus der Emission der EGI-Genussrechte AG II. Diese waren zunächst für ein Pflegeheim in Polen bestimmt gewesen. Letztlich wurden die Millionen dann aber vollständig zum Kauf von Gold (!) verwendet: Die Staatsanwaltschaft fand 230 Kilogramm des Edelmetalls im privaten Besitz Hartwiegs (!) und stellte es sicher.

Die Rechnungen bezüglich der übrigen Objektgesellschaften gleichen sich in erschreckender Weise. Zum Beispiel die OG 224 „Villa Bellevue Mar“ auf Mallorca: Die Realisierungskosten beliefen sich auf 5,85 Millionen Euro, die erwarteten Erlöse sollen 3,45 Millionen betragen. Insgesamt wird es also auf einen Verlust von 2,4 Millionen Euro hinauslaufen. Zudem wurden umfangreiche Darlehen an andere Objektgesellschaften vergeben.

Insgesamt entsteht ein Bild aus Selbstherrlichkeit und Inkompetenz, absoluter Skrupellosigkeit und dem gänzlichen Fehlen eines Unrechtsbewusstseins. Zweifellos handelte es sich bei den Darlehens-Ausreichungen über die Fondsgrenzen hinweg um strafbare Untreue.

Die Pläne der Geschäftsführung und des Sanierungsberaters

Es werden teilweise noch Rückflüsse erwartet, welche die zugesagten 10 Prozent noch erhöhen könnten. Insbesondere der Verkauf des Hotels „Portal Hills“ auf Mallorca könnte zusätzliches Geld einbringen. Soweit möglich sollen Fonds und Genussrechte gebündelt ihre Schadensersatzansprüche gegen Hintermänner und Wirtschaftsprüfer durchsetzen. Und es bestehe noch die Chance, auf das Gold zuzugreifen, das die Staatsanwaltschaft bei Hartwieg arrestiert hat.

Als weiterer Schritt müsse durch die Verteilung der Rückflüsse ein fairer Ausgleich zwischen Fonds und Genussrechten gefunden werden, sobald die Gesamtheit der Hin- und Her-Darlehen ausgewertet sei.

Die Geschäftsführung will zudem die überfälligen Jahresabschlüsse erstellen, eine ordnungsgemäße Buchführung aufbauen und vor allem „Ruhe im Schiff“ schaffen. Damit meint sie die Klagen einzelner Anleger gegen die Komplementär-GmbH, die geschäftsführende Kommanditistin und die Treuhand-Kommanditistin.

Nach Abarbeitung dieser Aufgaben sollen die Fonds liquidiert werden.

Tatsächlich scheint dieses skizzierte Vorgehen alternativlos zu sein, um die verbliebenen Vermögenswerte im Anlegerinteresse bestmöglich zu sichern. Es gibt keinen zielführenden Handlungsweg mehr, der das Untreue-Karussell vollständig zurückdrehen könnte. Auch Klagen einzelner Anleger sind nicht aussichtsreich.

Wo liegen noch Probleme?

An den Plänen der Geschäftsführung sind jedoch drei Aspekte problematisch, die auch mich dazu bewogen haben, die Vorschläge abzulehnen:

Ich störe mich an der Person Sven Donhuysen.

Im August 2014 hatte er die EGI-Gruppe für 500.000 Euro gekauft und will vorher eine Unternehmensprüfung („due diligence“) durchgeführt haben. Ich glaube ihm nicht, dass er dabei von den haarsträubenden Untreuehandlungen nichts bemerkt haben will. Hinzu kommt, dass er auch nach seiner Übernahme der EGI-Gruppe die Anleger nicht zeitnah informiert und das Karussell nicht angehalten hat. Mehr noch: Ich gehe davon aus, dass er selbst weitere Hin- und Her-Zahlungen durchgeführt hat, die einer juristischen Überprüfung nicht standhalten werden. Daher ist eine Lösung, bei der Donhuysen selbst Inhaber und Geschäftsführer derjenigen Unternehmen bleibt, die die Liquidation durchführen, nicht tragbar. Hier muss es zwingend eine personelle Veränderung geben.

Leider trägt der nicht gerade seriöse Ruf Donhuysen nicht zur Vertrauensbildung bei: Als Mitinitiator des Canada Gold Trust war er am dortigen Desaster beteiligt, bei dem mehr als 40 Millionen an Anlegergeldern praktisch vernichtet wurden, ohne dass bisher überhaupt Gold in nennenswerter Höhe geschürft werden konnte.

Zudem sind die Kostenstrukturen zu hoch.

Der derzeitige Geschäftsführer beziffert sein persönliches Gehalt zwar „nur“ auf monatlich 15.000 Euro, aber darin sind die Gebühren seiner Unternehmen noch nicht enthalten. Der Restrukturierungsberater erhält – nachdem er anfänglich eine zeitabhängige Vergütung erhalten hatte, gefolgt von einem einmaligen Pauschalbetrag von 40.000 Euro – derzeit 30.000 Euro pro Monat. Das mag in der Übergangszeit angemessen gewesen sein, ist aber nicht auf Dauer tragbar.

Bei solchen Kosten blutet die EGI-Gruppe während der Liquidationsphase finanziell aus. Darüber hinaus werden nach eigenen Angaben derzeit 60.000 Euro pro Monat für Kosten der Rechtsverteidigung gegen die Anlegerklagen gezahlt. Es ist nicht vertretbar, dass Kosten, die die Struktur-GmbHs betreffen, aus Mitteln der Genussrechte (oder der Fonds) beglichen werden.

Schließlich fehlt eine angemessene Vertretung der Anlegerrechte.

Es wäre das Mindeste gewesen, in die jetzt zur Abstimmung gestellten Vorschläge die Schaffung eines starken Anlegerbeirates aufzunehmen und auch Versammlungen der Anleihegläubiger einzuberufen. Die Anleger müssen, gerade angesichts des dramatischen kriminellen Hintergrunds, bei allen weiteren Schritten mit am Tisch sitzen und aktiv mitbestimmen können.

Neue Beschlussvorlagen sind gefordert!

Daher habe ich gemeinsam mit anderen zentralen Vollmachtsträgern auf den Gesellschafterversammlungen bei allen Vorschläge mit „Nein“ gestimmt. Zwar wurden die Stimmen nach den recht mühsamen (und von der Geschäftsführung nicht gerade professionell durchgeführten) Abstimmungen nicht mehr unmittelbar ausgezählt, aber ich gehe davon aus, dass die Beschlussvorlagen der Geschäftsführung mehrheitlich abgelehnt wurden – vorbehaltlich einer manipulationsfreien Auszählung.

Es ist zu erwarten, dass die Geschäftsführung nach dem Scheitern ihrer Beschlussvorlagen bald erneut auf die Anleger zugehen wird. Im Sinne der Anleger müssen dann die Frage eines Austausches der Geschäftsführung, einer vernünftigen Begrenzung der Kosten auf allen Ebenen und der Schaffung einer effektiven Kontrollinstanz gelöst werden. Für neue Beschlussvorlagen, die diesen Zielen gerecht werden, setze ich mich ein.