Jetzt ist auch Enterprise Holdings abgeschmiert

Nach einem Monat des Schweigens ließ Enterprise Holdings Ltd. am vergangenen Samstagnachmittag endlich die sprichwörtliche Katze aus dem Sack: Bei der auf der Kanalinsel Jersey ansässigen Versicherungsholding haben nun nach britischem (!) Recht bestellte Verwalter (Administrators) das Sagen. Und damit ist auch klar, dass die am Montag (26. September) fällig gewesenen Zinsen der Anleihe 2012/17 (WKN: A1G9AQ) nicht mehr gezahlt werden. Seit Montag ist der Börsenhandel dieser Anleihe wegen der Umstellung auf Flat-Notiz ausgesetzt. Gleiches gilt für die Anleihe 2015/20 (WKN: A1ZWPT, Emissionsvolumen 19,3 Millionen Euro, 7 Prozent Kupon p.a.)

In der Ad-hoc-Mitteilung teilte die Geschäftsführung mit, dass der Antrag auf Bestellung der Verwalter geschehen sei, „um die Vermögenswerte und das Geschäft der EHL zu schützen und zu sichern“. Anders ausgedrückt: Enterprise Holdings befindet sich in einem Verfahren, um sich zu sanieren. So soll die unmittelbar bevorstehende Liquidierung noch in letzter Minute abgewendet werden. Dies meldeten die vom britischen Registergericht eingesetzten Verwalter Stephen Leonard Conn und Jonathan Avery-Gee von CG & Co, einem nordenglischen Insolvenzspezialisten, in einer weiteren Ad-hoc-Meldung vom Montagnachmittag.

Noch Ende Juli hatte der Geschäftsführer Andrew Flowers gegenüber den Anleihegläubigern versucht, den Antrag auf Übernahme und Abwicklung der Geschäfte der Tochtergesellschaft Enterprise Insurance Co. Plc. (EIC) durch die Aufsichtsbehörde Gibraltar Financial Services Commission (GFSC) als „beste Lösung zum Schutz der Versicherungsnehmer“ zu verkaufen. Doch die GFSC ließ sich nicht einwickeln und verbot der zahlungsunfähigen EIC sowohl Neugeschäfte als auch Auszahlungen ohne Genehmigung.

Zinszahlungen wird es nicht geben

Wie befürchtet werden sich wohl auch die vielbeschworenen Sonderkonten für Zins und Tilgung der Anleihen in Wohlgefallen auflösen. Und die letzte Beteuerung der Gesellschaft vom 25. August, der Betrag für die Anleihenzinszahlung am 26. September in Höhe von 2,895 Millionen Euro befände sich auf dem Sonderkonto und sei damit gesichert, entpuppen sich als Lippenbekenntnisse.

Außerdem lässt ein weiteres Detail aufhorchen: Enterprise Holdings ist doch erst kürzlich nach Jersey umgezogen. Wie kann dann ein Schutzschirmverfahren nach britischem Recht beantragt und gewährt werden? Hat vielleicht nur ein operativer Umzug stattgefunden? Britisches Insolvenzrecht wäre tatsächlich äußerst günstig für Enterprise Holdings, um die lästigen Anleihegläubiger elegant loswerden zu können. Oder, wie es die Presseerklärung ausdrückt: Es „verschafft dem Unternehmen die Zeit, um ihr Geschäft zu überarbeiten und zu restrukturieren ohne der Bedrohung von Verfahren durch potentielle Gläubiger“ ausgesetzt zu sein. Durch die Bestellung der Verwalter bestätigte das englische Gericht nun, dass sich das „center of main interest“ (COMI) der Holding im Vereinigten Königreich befinde. Sicherlich hilft dabei auch die Aussicht, ein Verfahren nach britischem Recht durchführen zu lassen.

Die weiteren Verlautbarungen der Geschäftsführung waren dann auch gewohnt schwammig, um nicht zu sagen aussagebefreit bis gänzlich unverständlich. Die Geschäftsführung sei „auf potentielle, aber fälschliche rechtliche Schritte aufmerksam“ geworden. Diese könnten dazu führen „Mittel umzulenken, die dafür bestimmt sind, das Geschäft zu restrukturieren und neu zu gestalten.“

Zudem sei man „zutiefst beunruhigt über Maßnahmen von Dritten in Gibraltar im Zusammenhang mit der schwebenden Auflösung der Tochtergesellschaft Enterprise Insurance Co. Plc.“ Gemeint seien Maßnahmen, „die den Anschein haben, weder im Interesse der Versicherungsnehmer noch im Interesse der Gläubiger zu sein“. Darüber, was damit konkret gemeint sein könnte, lässt sich nur spekulieren.

Es ist nun mehr als fraglich, ob der ursprünglich bereits für Ende August angekündigte Ratingbericht noch maßgeblich Neues zu Tage befördern wird. Dieser wurde in Ermangelung messbarer Fortschritte hinsichtlich des Umbaus des Managing General Agents Andeva zur Versicherungsagentur auf September verschoben.

Aktuelles Update: Die Ratingagentur Creditreform hat soeben die angekündigte Aktualisierung des Ratings der beiden Anleihen der Enterprise Holdings veröffentlicht. Mit „D“ stuft sie nunmehr die Anleihen der Enterprise Holdings als „Default“ – Zahlungsausfall ein.

Und nun: Resignation?

Droht nun der Default der zwei Anleihen im Gesamtvolumen von 40 Millionen Euro? Und was ist aus den Plänen geworden, die Kneipe Oxford Blue in Old Windsor würde die Gesellschaft auffangen? Angeblich stehe die Eröffnung nun sogar unmittelbar bevor. Derzeit sind definitiv noch immer mehr Fragen offen als beantwortet. Bis auf jene nach dem Aufenthaltsort des federführenden CEO Andrew Flowers. Vorgänge bei Enterprise Holdings - Spock findet: "Faszinierend."Der hatte vorsorglich seinen Wohnsitz schon mal ins kuschelige Monaco verlegt. Es ist doch auch viel schöner, an der Côte d’Azur den Winter zu verbringen, als im schmuddelig-kalten englischen Windsor… Und noch einen weiteren Bonus hält das Fürstentum bereit: Ausländische Finanzverbrechen werden nicht verfolgt. So wird sicherlich kein nervender Staatsanwalt den Genuss der Gewinne des 25 Millionen Euro schweren Hotels in Lech am Arlberg im ebenfalls idyllischen Vorarlberg stören, das Flowers erst kürzlich erworben hat.