Play it again, Siegfried – KTG Agrar SE und ihr Vorstand Siegfried Hofreiter

Wenn ich an die vielen Woody-Allen-Filme denke, die ich in den letzten 25 Jahren gesehen habe, dann verschmelzen sie in meinem Gedächtnis zu einem Gesamtwerk. Trotz wechselnder Schauplätze und Darsteller spüre ich vor allem den Regisseur. Zu ähnlich sind die Themen, die Allen abarbeitet. Ähnlich geht es mir mit Siegfried Hofreiter, dem Mann, der KTG Agrar war.

Wie Woody Allen hat er eine Neigung zur Wiederholung. Damit meine ich nicht, dass er 1989 schon einmal eine Insolvenz, inklusive Verurteilung wegen Insolvenzverschleppung verantwortete, sondern eher an die Emissionsgeschichte einer KTG-Anleihe.

Die KTG Agrar SE Anleihe 11/17 (ISIN DE000A1H3VN9), das Biowertpapier II, wie es auf der Seite der KTG genannt wird, ist gleich drei Mal aufgelegt worden. Zuerst am 1. Juni, dann am 10. Juni und schließlich am 4. August 2011.

KTG Agrar AnleihenDanach noch ein Private Placement über 20 Mio. Euro. Dann die Anleihe 12/18 (ISIN DE000A1PG094), 2013 das nächste Private Placement über 9,5 Mio. Euro. 2014 emittiert er die Anleihe mit der ISIN DE000A11QGQ1, die im Geschäftsbericht des Konzerns für 2015 als „dritte Anleihe“ bezeichnet wird. Und im Jahr 2015 wurde noch versucht, die Wandelanleihe 5,5 Prozent, 2016 bis 2021, ISIN DE000A161Y37, in den Markt zu drücken. Das war das letzte Aufgebot. Und mehr an die Wochenschau des letzten Kriegsjahres als an Woody Allen erinnern die Erfolgsmeldungen und Durchhalteparolen, die Hofreiter in der Zeit vor dem Crash produzierte. Hier die Highlights:

2. Februar 2016

„[…] Zum Stichtag 30. Juni 2015 verfügte die KTG über ein Eigenkapital von 123,1 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote von rund 16 % […]

[…] Das Ergebnis: Gesunde Nahrung und saubere Energie […] Eine stille Reserve von gut 40 Mio. EUR […]

[…] Wir lieben unsere Arbeit. 2015 erstmals die Viertelmilliarde Umsatz geknackt zu haben, wäre ohne Ihre Unterstützung, liebe Anleger, nicht möglich gewesen und dafür bedanken wir uns herzlich […]“

Gezeichnet: Hofreiter

16. Februar 2016

„[…] wir können die aktuellen Kurskapriolen unserer Anleihen aus dem operativen Geschäft heraus nicht nachvollziehen […] Aus fundamentaler Sicht gibt es keine Begründung für die Kursentwicklung […]

[…] Ihr Vertrauen ist für uns Motivation und Antrieb in den kommenden Jahren mit Fleiß und Mut unser Bestes zu geben, getreu dem Motto: KTG – wir ackern für’s Leben. Bleiben Sie uns gewogen!“

Ebenfalls 16. Februar 2016

„[…] Davon [dem Bioboom – d.A.] profitiert KTG als führender Landwirt und Nahrungsmittelproduzent“, sagt natürlich wieder Sigfried Hofreiter.

22. März 2016

„KTG hat bereits bei der Anleihe 2015 gezeigt, dass eine Refinanzierung professionell umgesetzt […] wird. So erfolgt es auch bei der im Juni 2017 fälligen Anleihe.“

24. Mai 2016

KTG Agrar hat sich „erfolgreich gegen das herausfordernde Marktumfeld in der Landwirtschaft gestemmt […]

Das heutige Geschäftsmodell von KTG Agrar verbindet auf einzigartige Weise die Herstellung von hochwertigen Nahrungsmitteln »Vom Feld auf den Teller« mit der Produktion von erneuerbarer Energie. Dies ermöglicht uns die Absicherung gegen Preisschwankungen von Agrarrohstoffen“, sagt Siegfried Hofreiter […]

Siegfried Hofreiter: „Im laufenden Jahr steht die Refinanzierung der im Juni 2017 fälligen Anleihe (Bio-Wertpapier II) klar in unserem Fokus. Wir haben frühzeitig den Refinanzierungsprozess eingeleitet und liegen voll im Plan. Gespräche mit internationalen Investoren konnten zwischenzeitlich bereits durch die Unterzeichnung von Letters of Intent konkretisiert werden. Wir erwarten aus dem Abschluss solcher Transaktionen eine attraktive Refinanzierung.“

19. Juni 2016

„[…] Bedauerlicherweise haben „Kommentatoren“ aus unserer Sicht wohl aus Unkenntnis der Geschäftslage und unserem Markt- und Erntepotenzial durch deren Berichterstattung, bei einigen Investoren für Unsicherheit gesorgt. Dies bedauern wir sehr […]

[I]n den vergangenen zwei Wochen haben wir eine Vielzahl an Gesprächen geführt. Durch abgeschlossene Vereinbarungen und erhaltene Zusagen gehen wir davon aus, dass die Zinszahlung in der prospektierten Nachfrist und vor der geplanten Hauptversammlung erfolgen wird.

Wenn man die Historie unserer Unternehmen und anderer Gesellschaften betrachtet, wird man immer wieder feststellen, dass erfolgreiche und traditionsreiche Häuser auch […] schwierige wirtschaftliche Phasen durchstehen mussten und daraus gestärkt hervor gingen.

“Bitte unterstützen Sie uns. Gegessen wird immer!““

Bezeichnender Weise fehlt bei diesen letzten Beschwörungen die Unterschrift des sonst allgegenwärtigen Hofreiters. Und auch kein Originalzitat wird geliefert.

Am 1. September 2016 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet.

In jedem Film gibt es viele Rollen, vor und hinter der Kamera. Auch hier kann man fragen, wieso die Wirtschaftsprüfer den Bestätigungsvermerk für den Jahresabschluss 2015 erteilt und nach der Insolvenz widerrufen haben. Was treibt eigentlich eine Börse dazu, diesen Produkten eine Plattform zu bieten? Hat wirklich niemand gemerkt, dass die über 100 Gesellschaften des Konzerns, von der KTG Energie AG bis zu Bruno´s Service und Transport GmbH, verstreut über halb Europa, einen Phantomkonzern gebildet haben? Heute werden in der Presse Mitarbeiter zitiert, es habe schon im Frühjahr an allem, vor allen an Geld, gefehlt. Die Ernte sei gefährdet gewesen. Hofreiter flog mit dem Firmenhelikopter auf Betteltour zu den Händlern, um Diesel, Pestizide und Saatgut auf Kredit zu bekommen. Warum haben die alle damals geschwiegen?

Ja, aber der Regisseur war SH. Und gegen den gehen wir vor.

Gemeinsames Vorgehen der Anleger gegen Hofreiter

Die Anleger haben jetzt zwei Möglichkeiten: Sie können sich das alles gefallen lassen und die Hände in den Schoß legen. Oder Sie können energisch gegen den Schädiger vorgehen. Dies ist Siegfried Hofreiter.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits, was ausdrücklich zu begrüßen ist. Allerdings führt eine strafrechtliche Verfolgung Hofreiters noch nicht zu einem Geldrückfluss bei den Anlegern. Es ist deshalb sinnvoll, dass sich die Anleger zusammenschließen und ihre Ansprüche ebenfalls durchsetzen. Wenn sich die strafrechtlichen Vorwürfe erhärten, dann folgen daraus auch individuelle Ansprüche der Anleger auf Schadensersatz. Diese Ansprüche lassen sich gemeinsam besser durchsetzen als allein.

Rechtsanwälte Schirp Neusel & Partner sind mit Vorbereitungen und weiterer Recherche für ein gemeinsames Vorgehen befasst. Hierzu gehört ausdrücklich auch das Aufspüren verschwundener Vermögenswerte.

Was Sie heute tun können und sollten:

Bitte lassen Sie sich bei uns als Geschädigter registrieren (zuständig ist Frau Klimes, Tel. 030-3276170). Diese Registrierung kostet Sie nichts und verpflichtet Sie zu nichts. Sie erlaubt es uns jedoch, Sie dann umgehend und unaufgefordert informieren zu können, wenn wir unsere ersten konkreten Schritte einleiten.

Die Anleihen:

KTG Agrar SE Anleihe 11/17 (KTG Biowertpapier II)

7,125 % 2011 bis 2017
ISIN DE000A1H3VN9, WKN A1H3VN
Emissionsvolumen 100.000.000 Euro

KTG Agrar SE Anleihe 12/18

7,25 % 2012 bis 2018
ISIN DE000A1PG094, WKN A1PG09
Emissionsvolumen 50.000.000 Euro

KTG Agrar SE 14/19 (KTG Biowertpapier III)

7,25 % 2014 bis 2019
ISIN DE000A11QGQ1, WKN A11QGQ
Emissionsvolumen 50.000.000 Euro

KTG Agrar SE Wandelanleihe 16/21

5,5 % 2016 bis 2021
ISIN DE000A161Y37, WKN A161Y3
Emissionsvolumen 47.295.000 Euro