Rickmers Maritime veröffentlicht Quartalszahlen: Panamax-Schiffe sollen stillgelegt werden

Besorgniserregende Nachrichten kommen heute aus Singapur:

Rickmers Maritime, die dort ansässige Tochterfirma der Hamburger Rickmers Holding AG, veröffentlichte am vergangenen Freitag die Unternehmenskennzahlen für das zweite Quartal des laufenden Jahres. (Zur Info: Die Rickmers-Holding hält an dieser Tochterfirma eine Beteiligung von 34 Prozent.)

Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Verluste des zweiten Quartals mehr als verdreifacht. Der Charter-Umsatz sankt um mehr als ein Drittel. Und der Charter-Flotte der asiatischen Tochter stünden nach Eröffnung des erweiterten Panama Kanals sogar noch härtere Zeiten bevor.

So denkt Rickmers Maritime offen darüber nach, einige der elf Containerschiffe, die im betreffenden Markt eingesetzt werden, stillzulegen, sobald die Schiffe der Panamax-Klasse charterfrei sind. Dies soll die Kosten senken. Soeren Andersen, CEO der Rickmers Trust Management (RTM), der Trust-Manager der Rickmers Maritime, sagte in einer Stellungnahme zu den Ergebnissen des zweiten Quartals bzw. ersten Halbjahres 2016 am Freitag, dass sich das Unternehmen “ziemlich erfolgreich” dabei gezeigt hätte, seine Schiffe trotz der schwierigen Marktsituation im Einsatz zu halten:

So far, we have been fairly successful in keeping the Trust’s vessels employed despite the depressed market […] However, over the next 12 months, we are likely to face even stronger headwinds as we are seeing acceleration in redeliveries of Panamax vessels, driven by the upside of the Panama Canal.

Die Flotte des Unternehmens besteht aus insgesamt 16 Containerschiffen in der Größe 3.450 TEU bis 5.060 TEU. Gerade die Schiffe dieser Größenklasse mussten kürzlich den Verlust ihres vormaligen Hauptmarktes verkraften. Der Grund: Der Panama Kanal kann nach seinem Ausbau nun Schiffe einer Größe von bis zu 13.000 TEU aufnehmen. Zuvor lag die Grenze bei etwa 5.000 TEU.

Die Zahlen im Detail:

Wie die RTM bekannt gab, musste das Unternehmen einen Nettoverlust von 55,6 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal 2016 verzeichnen. Verglichen mit einem Verlust in Höhe von 15,7 Millionen US-Dollar im gleichen Zeitraum des Vorjahres macht das ein Minus von niederschmetternden 255 Prozent.

Auch die übrigen finanziellen Rahmendaten sind katastrophal eingebrochen. Der Charter-Umsatz schrumpfte im selben Zeitraum von 28,5 auf 18 Millionen US-Dollar. Als Grund wurden gesunkene Charterraten und eine geringere Auslastung der Kapazitäten der Schiffe unter den sich weiterhin verschlechterten Marktbedingungen angeführt.

In der ersten Hälfte des Jahres 2016 beliefen sich die Nettoverluste des Unternehmens auf 56,9 Millionen US-Dollar. Im Vergleich zum Vorjahr wurden in den ersten sechs Monaten 2015 8,6 Millionen US-Dollar Verluste verbucht. Zudem sank der Charter-Umsatz von 57,1 Millionen US-Dollar (Januar bis Juni 2015) auf nunmehr 39,3 Millionen US-Dollar.

Dabei stiegen die Betriebskosten der Schiffe um 5 Prozent auf 10,2 Millionen US-Dollar. Die Gründe sind ein gestiegener Treibstoffverbrauch durch erforderliche Neupositionierungen zwischen einzelnen Chartern. Hinzu kommen Off-Hire (Zeiten ohne Charter) und erhöhte Leerlaufzeiten der Schiffe.

Verhandlungen zur Refinanzierung laufen weiter

Das Unternehmen gibt an, dass es sich auch weiterhin in Verhandlungen mit Kreditgebern befände, um seine Bankschulden zu refinanzieren und eine langfristige Zahlungsfähigkeit zu gewährleisten. Rickmers Maritime habe derzeit 197,7 Millionen US-Dollar an ausstehenden Bankverbindlichkeiten, die am 31. März 2017 fällig werden. Für den Zeitraum der andauernden Verhandlungen besteht jedoch mit den Kreditgebern ein Stillhalteabkommen: Die Tilgungen wurden vorerst bis zum 31. August 2016 verschoben. Tomas Norton de Matos, CFO der RTM, sagte hierzu:

The restructuring process is fairly complex and made more difficult by current market conditions. Nevertheless, we remain focused on securing a unified single credit facility that is sustainable and that gives the trust greater flexibility and a longer runway to manage its liabilities and growth. This will enable us to address the USD 100 million three-year notes maturing on May 15, 2017.

Rickmers Maritime sieht also schwierigen kommenden zwölf Monaten entgegen. Es ist zu befürchten, dass der anhaltende Druck auf die Charterraten bei abnehmender Auslastung auch in Zukunft die finanzielle Performance des Unternehmens belasten wird.

Im laufenden Jahr sind 72 Prozent der Flotte im Einsatz und ihre Auslastung betrug im zweiten Quartal 91,4 Prozent. RTM gibt außerdem an, dass die bestehenden Charterverträge vom 30. Juni 2016 bis zum Auslaufen des letzten Vertrages im Jahre 2019 111,5 Millionen US-Dollar gesicherte Einnahmen bringen würden. Rickmers Schiffe sind an führende Carrier der Branche verchartert, darunter Maersk Line, CMA CGM, MOL und die Mediterranean Shipping Co.

Angesichts einer durchschnittlichen Restcharterzeit der Schiffe von nur noch 0,8 Jahren ist zu erwarten, dass sich danach die Einnahmen noch einmal verschlechtern werden. Bilanzielle Überschuldung liegt laut Rickmers Maritime nicht vor, weil in den Büchern die Schiffswerte nach wie vor deutlich über den Verbindlichkeiten liegen. Mancher Marktteilnehmer fragt sich allerdings, was geschehen kann, wenn Rickmers zu einem baldigen Verkauf gezwungen sein sollte und im Zuge dessen reale Verkaufswerte anzusetzen sind.

Was bedeutet das für die erwarteten Q2-Zahlen der Rickmers Holding AG?

Für die Quartalszahlen der Mutter Rickmers Holding AG, die am kommenden Freitag erwartet werden, lassen dieser Ausblick und die Zahlen der Tochterfirma nichts Gutes vermuten. Wenn Vergleichbares auch für die Holding gelten sollte – und davon ist auszugehen –, dann hat sich die Situation der Firma und somit auch die ihrer Gläubiger weiter verschärft.

Andererseits gibt es auch Stimmen, die für die Rickmers Holding AG zwar analog zur Tochter Verluste im zweiten Quartal erwarten. Jedoch wird darauf gesetzt, dass sich im Falle positiv entwickelnder Frachtraten im vierten Quartal der Kurs zum Jahresende wieder auf 50 – 60 Prozent berappeln könnte. Gestern notierte die Anleihe in Frankfurt bei 30,25 Prozent. Wenn Rickmers dann im März 2017 eine Verlängerung der Kredite bekannt gäbe, sollte sich der Kurs auf 80 – 90 Prozent erholen können.

Ein User des Online-Forums Wallstreet-Online hat folgende Schätzung der erwarteten Quartalszahlen der Holding aufgestellt. Als Basis dienten die gerade veröffentlichten Kennzahlen der Rickmers Maritime:

Demnach sei im zweiten Quartal ist ein EbitDA-Verlust von 15 Millionen Euro zu erwarten. Nach Zinsen und Abschreibungen mache das einen Verlust von 35 Millionen Euro. (Zur Berechnung: Eine normale Abschreibung von 25 Millionen Euro und Zinsen von ebenfalls 25 Millionen ergeben bei einem EbitDA von +35 Millionen einen Verlust von 15 Millionen.) Weiterhin wird vermutet, dass Wertberichtigungen der Schiffe (wegen der gesunkenen Ertragskraft und gesunkenen Charterraten) über 135 Millionen Euro hinzukommen.

Unter dem Strich sei somit ein Verlust von 150 Millionen Euro im zweiten Quartal 2016 realistisch. Dadurch sinke das Eigenkapital von 555 Millionen Euro (Stichtag 31.12.2015) auf 305 Millionen Euro (am 30.06.2016). Diese Abschreibungen sind jedoch nicht zahlungswirksam und haben somit keinen Einfluss auf die Liquidität der Holding. Vorteilhaft wäre es allerdings, dass Rickmers dadurch (wie die Tochter Rickmers Maritime) „reinen Tisch“ machen würde. Damit würde auch die Kritik wegen in der Bilanz zu hoch angesetzter Schiffsvermögen verstummen, so die Einschätzung.

Wohlgemerkt: Es handelt sich hier lediglich um Spekulationen. Man wird auf den kommenden Freitag warten müssen und sich so lange in Geduld üben. Achtung Anleihe! wird Sie hierzu auf dem Laufenden halten.