Scholz Holding: Sanierung im Wachkoma?

Was ist das wohl für ein Gefühl, wenn man alles mitbekommt, was um einen herum passiert, aber nichts dazu sagen, geschweige denn eingreifen kann? Das frage ich mich immer, wenn ich mal wieder von einem Wachkomapatienten in der Zeitung lese. Die Anleger der Scholz-Anleihe 2012/17 (WKN A1MLSS) können das möglicherweise bald nachvollziehen. Denn es zeichnet sich ab, dass ihnen ihr Geld genommen wird und sie daneben stehen ohne eine Möglichkeit, selbst einzugreifen zu können.

Was ist bei der Scholz Holding passiert?

2012 warf die Scholz Holding eine Anleihe auf den Markt. Volumen 182.500.000 Euro, 8,5 % Zinsen, Laufzeit bis 2017. Es gilt österreichisches Recht. Und 2015 begann schließlich, zumindest offiziell und für alle sichtbar, die Krise.

Dann ging es Schlag auf Schlag:

  • Ein österreichisches Gericht setzt einen Kurator als Vertreter der Anleihegläubiger ein.
  • Die Scholz Holding Scholz Management Service GmbH mit Sitz in Essingen wird gegründet, die ab 2016 die Steuerung der operativen Geschäfte der Gruppe übernimmt.
  • Am 14. Januar 2016 verlegt die Scholz Holding Geschäftssitz, Geschäftsführung und Geschäftstätigkeit nach London. Die Geschäftsführung der Gesellschaft wird durch zwei Partner der Restrukturierungsberatung Talbot Hughes McKillop besetzt.

Die Gesellschaft verlautbart:

„Bei dem seit September 2015 laufenden Investorenprozess ist deutlich geworden, dass es im Grundsatz großes Interesse von Investoren gibt, neues Eigenkapital zur Finanzierung künftigen Wachstums zuzuführen. Die Interessenten machten dabei deutlich, dass dies die umfassende Restrukturierung der derzeitigen Kapital- und Schuldenstruktur erfordern würde.“

Das Geschwurbel kommt mir bekannt vor. Was kann wohl „umfassende Restrukturierung der derzeitigen Kapital- und Schuldenstruktur“ bedeuten? Ich vermute, dass Scholz hier die ATU-Lösung anstrebt. „Restrukturierung der Schuldenstruktur“ würde in diesem Zusammenhang nichts anderes bedeuten als „die Alt-Gläubiger werden enteignet“.

Wenn Sie wissen wollen, was Sie vermutlich erwartet, dann schauen Sie doch mal in diesen Text von  Dr. Wolfgang Schirp: Das Drama um die A.T.U.-Anleihen, und diese Glosse dazu von mir selbst: Ein Anwalt kann mit seinem Aktenkoffer mehr stehlen als hundert Männer mit Kanonen (Don Corleone).

Kann man da wirklich nichts machen?

Bisweilen erwachen ja Patienten wieder aus ihrem Wachkoma. Ob die Enteignung der A.T.U.-Anleihengläubiger eine zulässige rechtliche Gestaltung war oder nicht vielleicht doch ein Gaunerstück, wird gerade von deutschen Gerichten geprüft. Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Schirp vertritt in mehreren Klagen den Standpunkt, dass die Anwendung des englischen Insolvenzrechts willkürlich gewesen sei und dass zwingende Vorschriften des internationalen Verbraucherschutzes verletzt wurden.

Auch bei der Scholz-Anleihe prüfen die Rechtsanwälte von Schirp Neusel & Partner rechtliche Schritte. Gläubiger der Anleihe können sich kostenlos registrieren und werden benachrichtigt, sobald sich etwas Neues ergibt.

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