Schwere See voraus: Schwacher Quartalsbericht und Negativprognose der Rickmers Holding

Die Zahlen sind da: Gerade veröffentlichte die Hamburger Rickmers Holding AG die Unternehmenskennzahlen des zweiten Quartals 2016. Und die sehen nicht gut aus…

Sowohl Umsatz als auch operatives Ergebnis des Unternehmens haben sich im ersten Halbjahr massiv verschlechtert. Die Rickmers-Gruppe muss einen Fehlbetrag von 131,5 Millionen Euro ausweisen (nach einem positiven Ergebnis von 2,6 Millionen Euro im Vorjahr), der Umsatz schrumpfte von rund 290 auf 250 Millionen Euro zusammen – das entspricht einem Rückgang von 14 Prozent. Durchweg alle Segmente der Unternehmensgruppe mussten im Laufe des ersten Halbjahres Umsatzverluste hinnehmen.

Das EbitDA (operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) verringerte sich damit im zweiten Quartal um fast 50 Millionen Euro – es sank von 137,4 auf 87,7 Millionen Euro. Das ist ein Rückgang um genau 36,1 Prozent.

Wie befürchtet wirkten sich die hohen außerordentlichen Wertberichtigungen des Schiffsvermögens von 124 Millionen Euro belastend auf das Konzernergebnis aus.

Das Management der Rickmers Holding führt das schwache Ergebnis auf den nach wie vor schwierigen Schifffahrtsmarkt mit stark rückläufigen Erträgen zurück. Rickmers bestätigte mit einem düsteren Ausblick seine im ersten Quartal veröffentlichte Ergebnisprognose. Auch für den Rest des Jahres erwarte man ein EbitDA, das deutlich unter dem des Vorjahres (253,1 Millionen Euro) liegen werde. So heißt es im Bericht:

Basierend auf den herabgesetzten Prognosen des Weltwirtschaftswachstums sowie des Weltcontainerhandels sieht die Rickmers-Gruppe keine Anzeichen für eine Erholung der gesamtwirtschaftlichen Lage für das zweite Halbjahr. Dies spiegelt sich auch in der Entwicklung der Charter- und Frachtraten wider, die voraussichtlich auf niedrigem Niveau verharren werden.

Damit dürfte eine Refinanzierung für Rickmers ziemlich schwierig werden. Es stellt sich die Frage, welche Bank noch Interesse daran haben wird, sich angesichts der spezifischen Problematiken der Rickmers-Gruppe (und der generellen Risikoaversion gegenüber Schiffsfinanzierungen per se) jetzt noch zu engagieren. Bis auf das Beteuern, dass Rickmers sein geplantes Maßnahmenpaket zur Stärkung der Liquiditätsposition und Neuordnung der Fremdkapitalseite weiter vorantreibe, gab es seitens des Managements jedoch keine neuen konkreten Informationen. Bisher wurden Bankdarlehen in Höhe von 1,39 Milliarden US-Dollar neu verhandelt. Zudem verlängerte eine Hausbank die Laufzeit für ein Teilvolumen in Höhe von 520 Millionen US-Dollar, das am 31. Dezember 2015 fällig gewesen wäre, bis 2020/2021.

Rickmers größtes Problem bleibt weiterhin ungelöst:

Derzeit betreibt die Rickmers Holding acht Schiffe der schwachen Panamax-Klasse von 4.000 bis 5.000 TEU im sogenannten Spotmarkt für Containerschiffe. Das ist der Chartermarkt, auf dem Schiffe kurzfristig oder für einen kurzen Zeitraum ihre Charter finden. Durch die Erweiterung des Panama Kanals geriet diese Schiffsklasse bereits stark unter Druck, was sich auch in Zukunft fortsetzen wird.

Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass bei auslaufenden Charterverträgen die Charterraten neu verhandelt werden müssen. Doch die Preise des Marktes im Segment der Containerschiffe von 2.000 bis 6.000 TEU sind eingebrochen. Sofern überhaupt eine Charter aufgetrieben werden kann, erfolgt dies in der Regel zu einer Rate von derzeit ca. 6.000 US-Dollar pro Tag. Das ist unter Umständen gerade mal so für den Schiffsbetrieb ausreichend. Für den Kapitaldienst jedoch langt es nicht. Das betrifft viele der 28 Schiffe aus der Rickmers Flotte, die unter älteren Verträgen mit Laufzeiten von 2017 bis 2021 fahren und (noch) mit einer durchschnittlichen Tagesrate von 19.000 US-Dollar verchartert sind.

Bei der Tochter Rickmers Maritime (Singapur), die in der Vorwoche ihre Quartalszahlen offenlegte, werden aktuell elf Schiffe im Spotmarkt betrieben. Fünf weitere Containerschiffe fahren noch mit älteren Verträgen. Bis 2018 haben diese fünf eine Charterrate von 26.850 US-Dollar pro Tag. Die Rickmers Holding hält an der Singapur-Tochter eine Beteiligung von 34 Prozent mit einer aktuellen Marktbewertung von 60 Millionen US-Dollar.

Es überrascht also nicht, dass der Umsatz der Rickmers-Gruppe des ersten Halbjahres im Segment Maritime Assets nur noch 172,9 Millionen Euro erreichte. Im Vorjahr waren es noch 199,6 Millionen Euro. Das EbitDA betrug 100,3 Millionen Euro (im Vorjahr: 129,7 Millionen Euro).

Die Rickmers-Anleihe 2013/18 (WKN A1TNA3, Gesamtvolumen 275 Millionen Euro, Zinskupon 8,875 Prozent p.a.) notierte heute an der Frankfurter Börse nur noch bei 30 Prozent.