Smart solutions (ehemals Sympatex) fordert von Anleihegläubigern Verzicht auf 90 %

Die Smart solutions Holding GmbH (ehemals Sympatex) hat eine Anleihe über 13 Mio. € begeben. Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten schlägt sie den Anleihegläubigern jetzt vor, auf 90 % der verbrieften Forderung sowie auf fast alle Sicherheiten zu verzichten. Dazu lädt sie zu einer Anleihegläubigerversammlung

am Mittwoch, den 4. Oktober 2017, um 10:00 Uhr (MESZ) in der Panorama Lounge im Alexander Wacker Haus, Prinzregentenstraße 22, 80538 München, 7. Stock,

ein, um dort entsprechende Beschlüsse fassen zu lassen.

(Update vom 4.10.2017:

 Die heutige Gläubigerversammlung war nicht beschlussfähig, es wird eine zweite Gläubigerversammlung geben.)

Wie so oft in letzter Zeit sollen die Anleihegläubiger also auch hier letztlich das Emittentenunternehmen sanieren. Was einmal als gute und sichere Kapitalanlage angepriesen wurde, soll nun umgewandelt werden in ein Sanierungsgeschenk an die Emittentin. Und tatsächlich muss man sagen, dass die Anleihegläubiger dieser Anleihe wirklich im Glauben sein durften, eine sichere Anleihe zu zeichnen. Die Anleihe ist nämlich doppelt besichert: zum einen über eine Garantie der Sympatex Technologies GmbH (Tochtergesellschaft der Emittentin) und zum anderen durch die Verpfändung der Rechte an der eingetragenen Marke „Sympatex“. Dennoch sollen auch hier die Anleihegläubiger leer ausgehen.

Was genau soll passieren?

Der smart solutions Holding GmbH geht es nach eigenen Angaben wirtschaftlich schlecht. Sie möchte sich darum in erster Linie von Verbindlichkeiten befreien und bittet die Anleihegläubiger um einen Verzicht auf 90 % ihrer Forderungen. Die Anleihen würden dann statt 13 Mio. € nur noch Forderungen über 1,3 Mio. € verbriefen. Auf Zinsen sollen die Anleihegläubiger auch verzichten.

Des Weiteren möchte die Emittentin ihre 100%-Beteiligung an der Tochtergesellschaft Sympatex Technologies GmbH verkaufen, die aber eine Garantie für die Forderungen der Anleihegläubiger übernommen hat. Nach Angaben der Emittenten würden die potenziellen Käufer die Tochtergesellschaft nur unter der Bedingung kaufen, dass die Anleihegläubiger das vorgeschlagene Restrukturierungskonzept beschließen. Dazu gehört auch, dass die von der Sympatex Technologies übernommene Garantie auf die nach einem Verzicht noch bestehende Forderung der Anleihegläubiger in Höhe von 10 % der jetzigen Hauptforderung beschränkt wird.

Der Erwerber der Sympatex Technologies soll für die Geschäftsanteile einen symbolischen Kaufpreis von 1 € zahlen. Darüber hinaus soll er 1,3 Mio. € an die Emittentin zahlen und mit diesem Geld soll die Emittentin die Restforderung der Anleihegläubiger vollständig bedienen. Sobald dies geschehen ist, soll die Garantie erlöschen. Zudem sollen die verpfändeten Markenrechte freigegeben werden.

Im Ergebnis erhalten die Anleihegläubiger also 10 % ihrer Forderung und mehr nicht. Nach Angaben der Emittentin ist dieses Szenario aber für die Anleihegläubiger besser, als wenn die Emittentin Insolvenz anmelden müsste. Die Anleihegläubiger hätten im Insolvenzverfahren laut einem in Auftrag gegebenen Gutachten nur mit einer Quote von 5,6 % zu rechnen.

Aber ist das wirklich so?

Der Kanzlei Schirp & Partner liegt das Gutachten noch nicht vor. Fest steht aber, dass die Forderungen der Anleihegläubiger in der derzeitigen Höhe mehrfach besichert sind, zum einen über eine Garantie der Sympatex Technologies GmbH und zum anderen durch die Verpfändung der Rechte an der eingetragenen Marke „Sympatex“. Sollte tatsächlich der Insolvenzfall der Emittentin eintreten, könnten die Anleihegläubiger folglich die Garantie in Anspruch nehmen und auf eine Verwertung der Markenrechte drängen. Es erscheint doch sehr zweifelhaft, dass die Anleihegläubiger damit nur eine Quote von 5,6 % ihrer Forderungen erwarten können sollen.

Richtig ist, dass die Sanierung der Emittentin möglicherweise gefährdet sein könnte, wenn die Anleihegläubiger sich auf die Restrukturierung nicht einlassen. Aber nicht immer muss die Sanierung der Emittentin wirtschaftlich auch der sinnvollste Weg für die Anleihegläubiger sein. Dies gilt insbesondere, wenn sie solch weitgehende Zugeständnisse machen müssen.

Was können Anleihegläubiger tun?

Die Kanzlei Schirp & Partner empfiehlt grundsätzlich allen Anleihegläubigern, ihr Stimmrecht wahrzunehmen.

Allerdings handelt es sich bei der Gläubigerversammlung am 4. Oktober 2017 um die erste Gläubigerversammlung. Gemäß § 15 Abs.3 SchVG ist diese nur beschlussfähig, wenn 50 % der ausstehenden Schuldverschreibungen vertreten sind. Es ist bisher nur äußerst selten vorgekommen, dass dieses Quorum erreicht wird. Üblicherweise wird eine zweite Gläubigerversammlung einberufen. Die smart solutions hat dafür in der Einladung bereits den

  1. November 2017

 vorgesehen. Sehr wahrscheinlich wird es also auf die 2. Gläubigerversammlung ankommen.

Die Kanzlei Schirp & Partner empfiehlt nach derzeitigem Kenntnisstand, gegen die Beschlüsse zu stimmen. Wenn Anleihegläubiger nicht persönlich zur Versammlung kommen können, können Sie gern die Kanzlei Schirp & Partner beauftragen, sie kostenlos dort zu vertreten. Dazu wenden Sie sich bitte an:

Rechtsanwältin Julia Breier-Struß
E-Mail: breier-struss@ssma.de
twitter: https://twitter.com/BreierStruss

Schirp & Partner Rechtsanwälte mbB
Leipziger Platz 9
10117 Berlin
Tel. 030 327 617 -0
Fax 030 327 617 17
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