Singulus – Anleihegläubiger und Aktionäre stimmen dem Restrukturierungskonzept zu

Am 15. und 16. Februar dieses Jahres fanden die 2. Anleihegläubigerversammlung als auch eine außerordentliche Hauptversammlung der Aktionäre der Singulus Technologies AG statt, um über ein von der Emittentin vorgeschlagenes Restrukturierungskonzept abzustimmen. Auf beiden Versammlungen wurde die Zustimmung zu dem Konzept mit dem erforderlichen Quorum erteilt.

Ist damit sicher, dass die Restrukturierung gelingt?

Keineswegs. Die gesamte Restrukturierung hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung der Gesellschaft ab. Dabei hat der Vorstand in den letzten Jahren kein glückliches Händchen gezeigt. Die Anleihegläubiger können nur hoffen, dass die Prognosen, die alle nicht auf Plausibilität überprüfbar waren, da die Emittentin bis zuletzt den Gläubigern Einsicht in die relevanten Gutachten verweigerte, eintreffen. Es bleibt das Prinzip Hoffnung. Ärgerlich ist auch, dass das Sicherheitenkonzept für die geplante neue Anleihe erst am Tag der Gläubigerversammlung vorgestellt wurde. Die Abstimmung musste damit allein im Glauben an die Richtigkeit der Angaben und Prognosen getroffen werden.

Das war schon mehr als nur ärgerlich. Doch es wurde noch schlimmer:

Stimmenkauf bei der Abstimmung?

Wir haben für unsere Mandanten auf der Versammlung der Anleihegläubiger vorsorglich Widerspruch erklärt, weil wir meinen, dass die Beschlüsse der Versammlung anfechtbar sind. Nach der Aussage eines Vorstands in der Versammlung hat die Emittentin von ihr selbst gehaltene Anleihen zum Nennbetrag von 5 Mio. € an einen Investor unter der Bedingung verkauft, dass dieser dem Restrukturierungskonzept zustimme. Wir haben noch vor der Abstimmung darauf hingewiesen, dass dies einen Stimmenkauf darstelle und der Käufer darum wegen § 6 Abs.3 SchVG nicht an der Abstimmung teilnehmen dürfe. Der Versammlungsleiter setzte sich hierüber hinweg und meinte, wir hätten das falsch verstanden. Dabei räumte der Finanzvorstand Herr Ehret sogar ein, dass man nur so die Beschlussfähigkeit der Anleihegläubigerversammlung habe herbeiführen können. Aus unserer Sicht ist dieses Vorgehen nicht nur unzulässig, sondern verboten.

Der Verkauf der Anleihen ist auch noch aus einem anderen Grund höchst fragwürdig. Wirtschaftlich war es komplett unsinnig, die Anleihen zu einem Preis von 25 % zu verkaufen und damit Forderungen in Höhe von 100% zu begründen: Die Emittentin hatte diese Anleihen zunächst zu einem Kurs von 63 % von Anleihegläubigern zurückgekauft (dies ist wirtschaftlich durchaus sinnvoll) und nunmehr im Vorfeld der Versammlung zu 25 % an einen Investor verkauft. Solange die Emittentin die Anleihen selbst hielt, musste sie die daraus resultierenden Ansprüche nur gegenüber sich selbst erfüllen. Die Zinsen und die Rückzahlung wären folglich ihr selbst zugute gekommen. Durch den Verkauf aber leben die Verbindlichkeiten in Höhe von Rückzahlung und Zinsen wieder auf. Die Emittentin ist nun verpflichtet, 100 % des Nennbetrags (5 Mio. €) an den Käufer zu zahlen. Dafür hat sie im Gegenzug etwas über 1 Mio. € als Kaufpreis erhalten. „Freundlicherweise“ hat sie dabei sogar noch auf Stückzinsen verzichtet. Der Verkauf stellte damit ein Verlustgeschäft in Höhe von mindestens 4 Mio. € dar! Hätte ein sorgfältiger Kaufmann ein solches Verlustgeschäft getätigt, ohne eine weitere Gegenleistung vom Käufer zu erhalten, möglicherweise die Zustimmung zu einem Restrukturierungskonzept?

Wir informieren Sie über die weiteren Entwicklungen.

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